Bollywood - Vortragsreise nach Indien
Vortragsprojekt Bollywood
Im Auftrag der Hessischen Landesregierung war ich im Oktober 2003 und im März 2004 in Mumbai (dem ehemaligen Bombay), um die dortige Filmindustrie ("Bollywood" genannt) dafür zu begeistern, in Hessen Filme zu drehen.
Vorgeschichte
In Mumbai, Indien, (so der heute offizielle Name der Stadt Bombay) gibt es eine große Filmindustrie, die für den asiatischen Raum die gleiche Bedeutung hat wie Hollywood für die „westliche Welt". Die indischen Filmproduzenten sind ständig auf der Suche nach neuen Drehorten. Bevorzugt werden Standorte in Europa, die eine gute technische Unterstützung und Logistik bieten.
Bei einem Treffen mit dem indischen Botschafter hat Ministerpräsident Roland Koch erfahren, dass aktuell vor allem "romantische Mittelgebirgslandschaften" gesucht werden. Da das Land Hessen solche Landschaften aufweisen kann, hat er die Investitionsbank Hessen AG (IBH) dazu beauftragt, in Mumbai eine Präsentationsveranstaltung zu organisieren, auf der sich das Land als Filmstandort vorstellt.
Die IBH hat daraufhin die Hessentouristik um Informationen und Bildmaterial zu den schönsten und romantischsten hessischen Landschaften gebeten.
Kurz zuvor hatte ich im Hessischen Wirtschaftsministerium vor einer Versammlung der Bürgermeister aus den Gemeinden des hessischen Rheingaus eine Vorabversion meiner neuen Dia-Multivision „Rheinsteig" gezeigt. In dieser Dia-Multivision geht es um einen neuen, naturnahen Wanderweg von Bonn nach Wiesbaden. Alle Anwesenden waren angesichts der Projektionsqualität von Dias absolut überrascht. Sie kannten bisher nur digitale Projektionen. Die Schärfe, der Detailreichtum und vor allem die feinen Farbschattierungen in den emotional ansprechenden Landschaftsbildern in Kombination mit einer Vierkanal-Raumklangtechnik haben die Herren sehr stark beeindruckt.
Sowohl vom Wirtschaftsministerium als auch von der Hessentouristik erhielt die IBH deshalb den Hinweis, dass für eine Präsentation der hessischen Landschaften, die vor allem emotional wirken soll, am besten eine Dia-Multivision in Frage kommt. Die IBH hat diese Empfehlung in ihren Entwurf einer Präsentation aufgenommen. Nach einem unmittelbaren Vergleich von digitalen und herkömmlichen Präsentationsformen wurde der qualitative Vorsprung des Dias damals im Jahr 2003 noch als so erheblich eingestuft, dass man sich für dieses Medium entschieden hat.
Deshalb erging der Auftrag an mich, eine Dia-Multivision über mögliche Drehorte in romantischen hessischen Mittelgebirgen zusammenzustellen.
Inhalt und Technik
Als Basis habe ich zunächst Bildmaterial aus meinem Archiv verwendet, vor allem aus meinen Fotoprojekten „Rothaarsteig" und „Rheinsteig". Beide neuen Wanderwege verlaufen zu einem Teil auf hessischem Boden durch genau die Landschaften, die von den indischen Filmproduzenten gesucht werden. Abgerundet wird die Materialbasis durch Aufnahmen, die im Rahmen von speziellen Fotoaufträgen für dieses Projekt entstanden sind, sowie Aufnahmen aus neuen Fotoprojekten.
Da im Rahmen der Präsentation in Mumbai für die Vorstellung der Drehorte nur 30 Minuten zur Verfügung stehen, hat die IBH entschieden, dass ich mich auf nur drei mögliche Drehorte beschränken soll, die stellvertretend für ähnliche im übrigen Hessen stehen sollen. Es sind dies:-
1. Das Rheintal zwischen Lorch und Rüdesheim sowie der Rheingau zwischen Rüdesheim und Wiesbaden
2. Das Lahn-Dill-Bergland, das Dilltal und der hessische Teil des Westerwaldes sowie
3. Das hessische Sauerland (Upland) in der Gegend um den Kurort Willingen.
Zwei Gründe sprachen für die Auswahl dieser Orte: Die touristischen Institutionen in diesen Orten sind in der Lage, die von der indischen Filmindustrie geforderte logistische Unterstützung zu leisten. Ferner war zu diesen Orten bereits besonders viel Bildmaterial in meinem Archiv vorhanden, so dass die Kosten für eine Neuproduktion gering gehalten werden konnten.
Um nicht nur verträumte, nebelverhangene Landschaften zu zeigen, habe ich als Einstieg ins Thema ein anderes Fotoprojekt von mir gewählt: Ich erstellte zu jener Zeit gerade eine umfangreiche Bildstrecke über den „Sauerländer Pferdeflüsterer" Klaus Hurtienne, der in kurzer Zeit ohne den Einsatz von irgendwelchen schmerzbringenden Hilfsmitteln auch die schwierigsten Pferde wieder reitbar macht. Die Bilder dieser Bildstrecke sollen Hurtiennes Motto „Harmonie zwischen Tier, Mensch und Natur" zum Ausdruck bringen. Dadurch entstehen sie oft in genau den romantischen Landschaften, die auch die indischen Filmproduzenten suchen. Die Verbindung zum berühmten Hollywoodfilm mit Robert Redford bildet dann den Übergang zum eigentlichen Thema meiner Dia-Multivision.
Auf der technischen Seite verwende ich für meine Präsentation vier Leica RT-m Projektoren, die Steuergeräte MPEX (4-Kanal-Version) und QUATRIX von Bässgen sowie die Software m-objects. Alle Aufnahmen sind mit der Leica R8 oder Leica M6TTL mit Objektiven von 15 bis 280 mm Brennweite entstanden. Als Filmmaterial habe ich ausschließlich den Kodak VS 100 verwendet.
Die Dia-Multivision hat eine Länge von ca. 30 Minuten. Live gesprochene Passagen in englischer Sprache wechseln sich mit Originaltonsequenzen in Raumklangtechnik ab. Ausschnitte aus meinen Dia-Multivisionen „Rothaarsteig" und „Rheinsteig" sind auch mit Musik aus dem Highland Musikarchiv vertont.
Durchführung
Als hessische Firma stellte die Leica Camera AG die Projektionstechnik zur Verfügung, den Transport der Geräte nach Mumbai organisiert sowie die überaus komplizierten Zollformalitäten erledigt. Diese Arbeit hat mehrere Wochen in Anspruch genommen. Der Zeitaufwand für die Formalitäten übersteigt fast den Anteil meiner kreativen Arbeit an diesem Projekt.
Am 3. Oktober flog ich zusammen mit offiziellen Vertretern des Landes Hessen über Zürich nach Mumbai. Im Handgepäck befanden sich die Dias sowie zwei Flashkarten mit den Tonspuren und natürlich meine M6TTL mit einigen Objektiven, um auch vor Ort ein paar Bilder machen zu können. Die übrige Technik war bereits per Luftfracht vor Ort eingetroffen.
Wir hatten zwei Tage Zeit zur Vorbereitung vor Ort. Am Abend des 6. Oktober fand die eigentliche Präsentation im JW Marriott Hotel in Mumbai statt. Die technische Unterstützung vor Ort war erstklassig. Überraschend war der Aufbau der Leinwand: Aus einem Haufen Dachlatten wurde ein Rahmen gezimmert, der mit Tüchern bespannt eine wirklich hervorragende Projektionsfläche abgab. Nach Gebrauch wurde die Installation wieder ordentlich zerlegt, damit das Material für andere Zwecke wieder zur Verfügung stand.
Die Raumdekoration bestand aus Seidentüchern in den Nationalfarben Deutschlands. Die Farben Schwarz, Rot und Gold tauchten auch auf jedem Tisch noch einmal auf: In einem großen Goldfischglas schwammen auf jedem Tisch Fische in den Nationalfarben.
Offizieller Gastgeber des Abends war der deutsche Generalkonsul in Mumbai, Hans-Heinrich Freiherr von Stackelberg. Das Konsulat hatte über 100 Regisseure und Filmproduzenten der indischen Filmindustrie zu der Veranstaltung eingeladen. Darüber hinaus sind noch zahlreiche Schauspieler und Kameraleute erschienen.
Der offizielle Teil der Veranstaltung begann mit einer Begrüßung durch den Generalkonsul. Es folgte eine Powerpointpräsentation über die Möglichkeiten zur finanziellen und logistischen Unterstützung indischer Filmprojekte in Hessen durch die IBH. Daran schloss sich unmittelbar meine Dia-Multivision „Hessen als Filmlocation" an.
Beim anschließenden gemeinsamen Essen – ein Buffet mit deutschen und indischen Gerichten - ergaben sich vielfältige, interessante Gespräche mit den Vertretern der indischen Filmindustrie. Die Resonanz auf die Präsentation war überaus erfreulich. Gerade die emotionale Wirkung der Naturaufnahmen hat das Publikum stark angesprochen. Bei einer geschäftlichen Präsentation hatte wohl niemand mit einer solchen Projektionsqualität gerechnet. Dass das Dia dem Beamer überlegen ist, wurde zwar durch die Abfolge der Präsentationen noch einmal besonders deutlich, hat aber im Publikum niemanden wirklich überrascht. Aus Gesprächen mit Produzenten, Regisseuren und Kameraleuten wurde deutlich, dass man 2003 auch im Hightech-Land Indien trotz einer fast grenzenlosen Begeisterung für Computer aus Qualitätsgründen den chemischen Film den schnelleren, bequemeren und preiswerteren digitalen Lösungen vorzog.
Am 7. Oktober erfolgte der Abbau sowie am gleichen Tag noch der Rückflug nach Deutschland. Die Projektionstechnik war per Luftfracht noch zwei Wochen länger unterwegs, bis sie wieder in Solms bei der Leica Camera AG eintraf.
Im März 2004 haben wir die Veranstaltung ein zweites Mal an gleicher Stelle durchgeführt. Der Erfolg gibt inzwischen meinen Auftraggebern Recht. Schon mehrere indische Filmproduzenten haben Teile ihrer Dreharbeiten nach Hessen verlegt. Weitere Produktionen sind geplant.

